Das RTL Strafgericht 
 

Aus Kettwiger Kanzlei ins Kölner Fernsehstudio

Nicole Nickisch beim RTL-Strafgericht

Nicole Nickisch Aus Spaß und Neugier hatte sie sich beworben - und nach dem Casting wurde Nicole Nickisch gleich für die neue Staffel der RTL-Serie "Das Strafgericht" engagiert. Am 18. September 2003 hatte die Rechtsanwältin aus Kettwig ihren ersten TV-Auftritt.
"Eigentlich mache ich nichts anderes als sonst auch", sagt die Juristin - mit einer Einschränkung: Um Mord und Totschlag - wie in ihrem ersten TV-Fall - geht es bei ihren echten Klienten selten. Zivilrecht, Arbeits- und Familienfälle, Mietangelegenheiten landen vornehmlich auf Nicole Nickischs Schreibtisch. Und der steht in ihrer Kettwiger Kanzlei und nicht im Kölner Fernsehstudio. "Ich bin Rechtsanwältin und keine Schauspielerin." Allerdings gefällt ihr, "dass ich vor der Kamera mehr auf die Pauke hauen kann, schon mal einen lockeren Spruch bringen darf". Nicole Nickisch Denn auf den Mund gefallen ist die 38-Jährige wahrlich nicht - "den Wortwitz habe ich von meinem Papa geerbt".
Die Fälle, die vor dem RTL-Strafgericht jeden Wochentag von 14 bis 15 Uhr verhandelt werden, sind fiktiv. "Alle Fälle werden vorab juristisch überprüft, und bei den Dialogen spielt der Jugendschutz eine große Rolle", sagt die Fernsehanwältin Nicole Nickisch. Das ist ihr wichtig.
"Bestimmte Sendungen hätte ich nicht gemacht, aber das RTL-Strafgericht bleibt auf dem Boden der Tatsachen - so weit das bei einer fiktiven Gerichtsshow möglich ist." Natürlich sei es unrealistisch, komplizierte Sachverhalte in TV-gerechten 30 Minuten zu verhandeln - "aber der Polizeialltag sieht schließlich auch anders aus als im Krimi". Und Infotainment sei nun mal "keine juristische Doktorarbeit".
Eine Woche vor dem Produktionstag erhält Nicole Nickisch die Drehbücher, muss die Handlungen verinnerlichen, aber nicht auswendig lernen. Während der Aufzeichnung hat sie die Texte vor sich liegen (getarnt als Prozessunterlagen), außerdem darf sie auch spontan sein. "Manchmal entwickelt sich bei den Dialogen eine gewisse Eigendynamik, die gewollt ist".
Welches Urteil TV-Richter Ulrich Wetzel spricht, wissen die Darsteller übrigens nicht - "das ist seine Entscheidung, er ist autark". So wie Nicole Nickisch eigenverantwortlich ihre Plädoyers hält. Ob am Ende Freispruch oder Haft steht, gibt allerdings das Drehbuch vor.
Das RTL-Strafgericht Bis zu zwölf Stunden dauert ein Produktionstag in Köln, bei KirchMedia Entertainment. Die Gesellschaft produziert die Gerichtsshow für RTL. "Das Strafgericht ist aktuell Quotenführer", weiß Nicole Nickisch. Nach der Maske geht's zur Vorbesprechung mit allen beteiligten Juristen, ab mittags wird gedreht - bis zu sechs Fälle hintereinander. "Das Team ist klasse, wir verstehen uns gut", sagt Nicole Nickisch. Und in Sachen Rhetorik sieht sie die Tätigkeit als gute Schule für den Prozessalltag. Ihre Erwartung, dass es Spaß machen könnte, vor der Kamera zu stehen, hat sich längst erfüllt. Was daraus wird, werde sich zeigen.

Aus WAZ, Nummer 207 vom 6. September 2003